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Nextcloud Office: Collabora vs. ONLYOFFICE — welches wählen?

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Nextcloud Office: Collabora vs. ONLYOFFICE — welches wählen?

Wer Nextcloud als kollaborative Plattform einsetzt, kommt an einem integrierten Office-Backend nicht vorbei. Die zwei etablierten Optionen heißen Collabora Online und ONLYOFFICE Docs — beide lassen sich selbst hosten, beide sind DSGVO-freundlich, beide werden von der Nextcloud GmbH offiziell unterstützt. Die Frage ist nur: welches passt zu Ihrer Umgebung?

Die kurze Antwort: Wer ODF-Dokumente pflegt und LibreOffice-kompatibel bleiben will, ist mit Collabora meist besser bedient. Wer täglich mit Kunden, Steuerberatern oder Behörden .docx-, .xlsx- und .pptx-Dateien austauscht, wird die Formattreue von ONLYOFFICE zu schätzen wissen. Die ausführliche Antwort folgt.

Architektur und Herkunft

Collabora Online basiert auf dem LibreOffice-Kern. Es ist im Grunde ein headless LibreOffice, das über einen WebSocket-Kanal die Rendering-Ergebnisse als Kacheln in den Browser streamt. Der Editor selbst läuft also serverseitig — jede Änderung wird auf dem Server ausgeführt, das Ergebnis dann zum Client geschickt. Vorteil: absolute Formatkompatibilität mit LibreOffice und ODF. Nachteil: höhere CPU-Last auf dem Server und Latenz bei schneller Eingabe über langsame Leitungen.

ONLYOFFICE Docs verfolgt einen anderen Ansatz. Der Editor ist eine echte Browser-Anwendung in HTML5/JavaScript, die im Client-Browser rendert. Der Server verarbeitet nur den Konvertierungs-Layer (DocumentServer) und die Ko-Editing-Synchronisation. Die Engine wurde von Grund auf für das OOXML-Format entwickelt, was die hohe Treue zu Microsoft-Formaten erklärt. Nachteil: bei ODF wird intern nach OOXML konvertiert — komplexe LibreOffice-Vorlagen können dabei leiden.

Formatkompatibilität in der Praxis

Das ist der wichtigste Entscheidungspunkt. Wir sehen in unseren Kundenprojekten regelmäßig, dass Formatprobleme mehr Zeit kosten als jede Server-Konfiguration. Eine grobe Einordnung:

AspektCollabora OnlineONLYOFFICE Docs
ODF (.odt, .ods, .odp)Nativ, verlustfreiKonvertierung, gelegentliche Layout-Verluste
OOXML (.docx, .xlsx, .pptx)Gut, aber Detailabweichungen möglichSehr hohe Treue, oft identisch zu MS Office
Legacy (.doc, .xls, .ppt)Sehr gut (LibreOffice-Erbe)Solide, aber weniger robust
PDF-ExportLibreOffice-PDF-EngineEigene Engine, meist kompakter
Track Changes / KommentareODF-nativ, OOXML mit EinschränkungenBeide Formate zuverlässig
Formeln in TabellenVollständig (Calc-Basis)Vollständig, MS-Excel-Syntax bevorzugt
MakrosLibreOffice Basic (deaktivierbar)Nicht unterstützt

Wenn Sie regelmäßig mit Behörden arbeiten, die noch .doc-Dokumente aus den 2000ern verschicken, hat Collabora dank LibreOffice-Erbe die Nase vorn. Wenn Ihr Steuerberater eine .xlsx-Vorlage mit komplexen Pivot-Tabellen liefert, gewinnt ONLYOFFICE.

Docker-Deployment

Beide Produkte werden offiziell als Docker-Container ausgeliefert. Wir empfehlen bei Proxmox-basierten Umgebungen einen dedizierten LXC-Container oder eine kleine VM für das Office-Backend, getrennt vom Nextcloud-Application-Server.

Ein minimales Compose-Setup für Collabora Online 24.04:

services:
  collabora:
    image: collabora/code:24.04.13.1.1
    container_name: collabora
    restart: unless-stopped
    environment:
      - domain=cloud\\.example\\.de
      - username=admin
      - password=CHANGE_ME
      - extra_params=--o:ssl.enable=false --o:ssl.termination=true
    ports:
      - "127.0.0.1:9980:9980"
    cap_add:
      - MKNOD

Für ONLYOFFICE Docs 8.2 in der Community Edition:

services:
  onlyoffice:
    image: onlyoffice/documentserver:8.2.2
    container_name: onlyoffice
    restart: unless-stopped
    environment:
      - JWT_ENABLED=true
      - JWT_SECRET=CHANGE_ME_LONG_RANDOM
      - USE_UNAUTHORIZED_STORAGE=false
    ports:
      - "127.0.0.1:8080:80"
    volumes:
      - ./data:/var/www/onlyoffice/Data
      - ./logs:/var/log/onlyoffice

Vor beide Container gehört ein Reverse Proxy mit gültigem Zertifikat — Nginx, Caddy oder HAProxy. Wir bevorzugen für Kundeninstallationen HAProxy auf OPNsense, weil das gleich Rate-Limiting und Geo-Filter mitbringt. WebSocket-Upgrade (Upgrade/Connection-Header) muss unbedingt durchgeschleift werden, sonst kollabiert die Co-Editing-Session.

Ressourcenbedarf und Skalierung

Die Serverlast unterscheidet sich deutlich. Collabora ist CPU-hungrig, weil jede Rendering-Operation serverseitig läuft. Als Faustregel gilt: ein CPU-Kern pro fünf gleichzeitige aktive Editoren, plus Reserve. RAM-Bedarf liegt bei rund 300–500 MB pro aktive Session.

ONLYOFFICE ist deutlich genügsamer beim Rendering, weil der Browser die Arbeit macht. Der DocumentServer selbst braucht rund 2 GB RAM als Basis plus etwa 50 MB pro parallel geöffnetem Dokument. Konvertierungsjobs (z. B. beim Speichern) spitzen die CPU-Last kurzfristig.

Für eine 30-Personen-Firma reicht in beiden Fällen ein Container mit 4 vCPUs und 8 GB RAM. Bei 100+ Nutzern sollten Sie über Horizontal Scaling nachdenken: Collabora kann mehrere Backend-Instanzen hinter einem Load Balancer koordinieren, ONLYOFFICE bietet ab der Enterprise-Edition Cluster-Betrieb mit gemeinsamem Redis und PostgreSQL.

Vergessen Sie das Backup nicht — auch wenn die Dokumente in Nextcloud liegen, muss die Datenbank- und Konfigurationsschicht der Office-Container mitgesichert werden.

Lizenzkosten und Enterprise-Support

Beide Produkte gibt es in einer freien und einer kommerziellen Variante — und die Details unterscheiden sich massiv.

Collabora Online Development Edition (CODE) ist kostenlos, für Produktivumgebungen aber nicht empfohlen: begrenzte Nutzerzahl parallel, kein Support, unregelmäßige Updates. Collabora Online (die kommerzielle Variante) rechnet pro Nutzer und Jahr ab, üblicherweise im dreistelligen Bereich für Bundles mit 25+ Nutzern. Enthalten: Support, LTS-Updates, keine Nutzerlimits.

ONLYOFFICE Docs Community Edition ist unter AGPLv3 frei, unterstützt aber offiziell nur bis zu 20 parallele Verbindungen ohne kommerzielle Lizenz. Die Enterprise Edition wird als Server-Lizenz (nicht per User) vermarktet, mit Staffelung nach Anzahl gleichzeitiger Verbindungen. Das kann bei großen Deployments wirtschaftlich günstig ausfallen, bei kleinen Teams aber teurer sein als Collabora.

Wichtig: die Nextcloud-Integration selbst — der Nextcloud-App-Store-Connector — ist bei beiden Produkten kostenlos. Bezahlt wird das Backend.

Nutzererfahrung im Alltag

Nach Rollouts bei mehreren Kunden zeichnet sich ein klares Bild ab: Anwender, die von Microsoft Office kommen, fühlen sich mit ONLYOFFICE schneller wohl. Die Ribbon-Oberfläche, die Tastenkürzel, sogar die Formeldialoge in der Tabellenkalkulation sind sehr nah am Redmond-Original. Der Einstieg ist entsprechend flach.

Collabora wirkt für dieselbe Zielgruppe zunächst ungewohnter — die Menüleiste erinnert an klassisches LibreOffice, die Sidebar-Bedienung ist anders. Wer allerdings LibreOffice bereits am Desktop nutzt oder aus einer offenen Standardwelt kommt, findet sich sofort zurecht. Die Co-Editing-Erfahrung ist bei beiden inzwischen ausgereift — Cursor werden farblich unterschieden, Konflikte werden serverseitig aufgelöst.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: mobile Nutzung. ONLYOFFICE hat eigene, native Apps für iOS und Android, die sich sauber mit dem Nextcloud-Konto verbinden. Collabora hat mobile Web-Ansichten, aber keine dedizierten Apps. Für Kunden mit hoher Mobilnutzung ist das oft der ausschlaggebende Faktor.

Unsere Empfehlung

Es gibt keine universelle Antwort — aber gute Faustregeln:

  • Behörden, Vereine, öffentliche Verwaltung, ODF-Umgebungen: Collabora Online. Die ODF-Treue und der LibreOffice-Unterbau sind unschlagbar, das passt zur strategischen Ausrichtung dieser Organisationen.
  • Mittelstand mit MS-Office-geprägten Kunden und Partnern: ONLYOFFICE Docs. Die OOXML-Treue erspart Konvertierungsschleifen und Support-Tickets.
  • Reine interne Nutzung mit gemischten Formaten: beides funktioniert, dann entscheidet die Team-Präferenz nach einem zweiwöchigen Test.

Egal welche Wahl Sie treffen: die Kombination aus Nextcloud auf Proxmox, einem gehärteten Linux-Host und einem sauberen Reverse-Proxy-Setup auf OPNsense liefert Ihnen eine Office-Plattform, die technisch mit Microsoft 365 mithalten kann — bei voller Datenhoheit in Deutschland.

DATAZONE unterstützt Sie

DATAZONE plant, migriert und betreibt Nextcloud-Umgebungen inklusive Office-Backend für mittelständische Unternehmen im gesamten deutschsprachigen Raum. Wir liefern nicht nur Container, sondern Backup-Konzepte, Reverse-Proxy-Härtung, Nutzerschulungen und Wartungsverträge. Wenn Sie Ihre bisherige Cloud-Office-Lösung ablösen oder Nextcloud neu einführen möchten, sprechen Sie uns an — wir zeigen Ihnen im Erstgespräch offen, welches Backend zu Ihrer Formatlandschaft passt.

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