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Matomo vs. Plausible: Datenschutz-freundliche Analytics im Vergleich

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Matomo vs. Plausible: Datenschutz-freundliche Analytics im Vergleich

Seit dem Aus fuer Google Analytics in vielen EU-Compliance-Szenarien — Stichworte Schrems II, DSK-Beschluss und die anhaltende Grauzone bei Consent-Banking — suchen mittelstaendische Unternehmen belastbare Alternativen. Zwei Loesungen dominieren die Diskussion in unseren Kundenprojekten: Matomo als vollwertiger Analytics-Stack mit fast dem gesamten Funktionsumfang von Google Analytics und Plausible als radikal reduziertes Werkzeug fuer die Metriken, die wirklich zaehlen. Beide sind Open Source, beide lassen sich in Deutschland self-hosten, und beide koennen so betrieben werden, dass keine Einwilligung nach Art. 6 DSGVO noetig ist.

Dieser Artikel vergleicht die beiden Kandidaten so, wie wir sie in Kundenprojekten aufsetzen: mit Docker-Compose, TLS ueber einen Reverse Proxy, sauberer Backup-Strategie und einem Blick auf Betriebskosten, die auch nach zwei Jahren noch tragbar sind.

Architektur und Deployment

Der offensichtlichste Unterschied liegt im technischen Fundament. Matomo ist ein klassischer LAMP-Stack: PHP 8.3, MariaDB oder MySQL als Datenbank, dazu Nginx oder Apache. Plausible ist eine Elixir/Phoenix-Anwendung, die ClickHouse als analytische Datenbank und PostgreSQL fuer Metadaten nutzt.

Fuer einen typischen Docker-Compose-Aufbau von Matomo 5.3 sieht das minimal so aus:

services:
  matomo-db:
    image: mariadb:11.4
    volumes:
      - matomo-db:/var/lib/mysql
    environment:
      MYSQL_ROOT_PASSWORD_FILE: /run/secrets/db_root
      MYSQL_DATABASE: matomo
    secrets: [db_root]

  matomo:
    image: matomo:5.3-fpm-alpine
    depends_on: [matomo-db]
    volumes:
      - matomo-data:/var/www/html
    environment:
      MATOMO_DATABASE_HOST: matomo-db

  web:
    image: nginx:1.27-alpine
    ports: ["127.0.0.1:8080:80"]
    volumes:
      - matomo-data:/var/www/html:ro
      - ./nginx.conf:/etc/nginx/nginx.conf:ro

Plausible Community Edition 3.x kommt mit einem eigenen docker-compose.yml, das vier Services orchestriert: die Phoenix-App, ClickHouse, PostgreSQL und optional einen Mail-Container. Fuer den Praxisbetrieb setzen wir vor beide Setups einen Reverse Proxy — meist HAProxy oder Traefik — auf der OPNsense oder einem dedizierten Ingress-Node, der Let’s-Encrypt-Zertifikate ausrollt und die Datenbanken sauber vom Internet trennt.

Ressourcenbedarf im Ruhezustand: Matomo laeuft bei kleinen Websites unter 1 GB RAM, Plausible ist durch ClickHouse und die BEAM-VM bei rund 2 GB baseline. Beides ist auf einer Proxmox-VM mit 4 vCPU und 4 GB RAM problemlos zu betreiben.

Beide Tools koennen so konfiguriert werden, dass kein Consent-Banner noetig ist — allerdings mit unterschiedlichem Aufwand.

Plausible ist dafuer entworfen. Das Script setzt keinerlei Cookies, verarbeitet keine personenbezogenen Daten im rechtlichen Sinne und generiert eine anonymisierte Session-ID aus einem taeglich rotierenden Hash. Aus der Box heraus TTDSG- und DSGVO-konform, bestaetigt unter anderem in einem Rechtsgutachten der Kanzlei Schuermann Rosenthal Dreyer, das Plausible auf der eigenen Website verlinkt.

Matomo braucht dafuer ein paar bewusste Einstellungen. Notwendig sind:

  • IP-Anonymisierung auf mindestens die letzten zwei Bytes
  • Deaktivierung der User-ID-Erfassung
  • Verzicht auf Cookies (Konfiguration disableCookies)
  • Verzicht auf die Erhebung von User-Agent-Details, die zu Fingerprinting fuehren
  • Respektierung von Do Not Track bzw. dem Global Privacy Control Header

Wenn diese Punkte gesetzt sind, hat unter anderem die franzoesische Aufsichtsbehoerde CNIL Matomo als “cookie-frei” freigegeben. Matomo dokumentiert die einzelnen Schritte im Detail unter matomo.org/faq/general/faq_156/.

Feature-Vergleich in der Praxis

BereichMatomo 5.3Plausible 3.x
Basis-Metriken (Visits, Pageviews, Referrer)JaJa
Ereignis-TrackingJa, ausfuehrlichJa, custom events + props
Funnel-AnalyseJa (Premium-Plugin)Ja (Goals + Funnels)
Heatmaps / Session RecordingsJa (Premium-Plugin)Nein
A/B-TestingJa (Premium-Plugin)Nein
E-Commerce-TrackingJa, ausgereiftRudimentaer via Events
Google-Ads / Search-Console-ImportJaNein
Rollen und RechteFeinkoerniges RechtesystemNur Owner / Admin / Viewer
Dashboard-AnpassungUmfangreich, mehrere DashboardsEin festes Dashboard
Reports per E-MailJaJa
Roh-DatenexportSQL, CSV, JSON APICSV, JSON API
Log-Import (Nginx/Apache)JaNein
Server-Side-Tag-ManagerJaNein

Kurz gesagt: Matomo ist der Werkzeugkasten fuer Marketing-Teams, die aus Google Analytics kommen und ihre Analyse-Workflows moeglichst 1:1 uebertragen wollen. Plausible ist das Werkzeug fuer Teams, die genau drei Fragen beantworten wollen — Wie viele Leute waren da? Woher kamen sie? Was haben sie sich angesehen? — und dafuer ein Dashboard, das man ohne Schulung versteht.

Kosten bei Cloud vs. Self-Hosting

Beide Anbieter haben eine Cloud-Variante und ein Self-Hosting-Angebot. Preisstand August 2026:

Plausible Cloud: startet bei 9 EUR/Monat fuer 10.000 Pageviews, 19 EUR fuer 100.000, 69 EUR fuer 1 Mio., jaehrliche Zahlung mit Rabatt. Alle Features sind in jedem Tarif enthalten.

Matomo Cloud (eu.matomo.cloud): startet bei 23 EUR/Monat fuer 50.000 Actions. Premium-Plugins wie Heatmaps oder Media Analytics kosten extra bzw. sind in hoeheren Tarifen enthalten.

Self-Hosting ist bei Plausible und Matomo Community kostenlos in der Software, die Kosten liegen bei Betrieb und Betreuung. Fuer eine kleine bis mittlere Website rechnen wir mit ca. 10-15 EUR/Monat fuer eine Virtualisierungs-VM plus Backup-Storage. In unseren Kundenprojekten sehen wir typischerweise nach dem Break-Even-Punkt bei rund 300.000 monatlichen Pageviews, dass Self-Hosting wirtschaftlich sinnvoll wird — vorher ist die Cloud-Variante meist die entspanntere Wahl.

Wichtig bei Matomo Self-Hosting: Fuer Premium-Features wie Heatmaps, A/B-Tests oder die Search-Engine-Keywords-Performance-Erweiterung faellt auch bei On-Prem eine jaehrliche Plugin-Lizenz an. Bei den Standard-Features sind Plugins wie das offizielle Log-Analytics-Tool jedoch Open Source und kostenfrei.

Betrieb, Backup und Migrationspfade

Beim Betrieb gibt es einige Praxis-Details, die man vor der Entscheidung kennen sollte.

Matomo archiviert Rohdaten in der MariaDB und aggregiert sie ueber einen Cronjob (console core:archive), der bei groesseren Installationen im 15-Minuten-Takt laufen sollte. Ohne diesen Cron werden Reports langsam. Die Datenbank waechst pro Milliarde Actions in unseren Setups auf etwa 200-400 GB, abhaengig von Ereignisvielfalt. Ein sauberes MariaDB-Backup mit mariabackup sichert die Daten inkrementell — fuer die tatsaechliche Retention nutzen wir gerne TrueNAS-Snapshots mit ZFS.

Plausible komprimiert Ereignisse direkt in ClickHouse; die Speichereffizienz ist deutlich hoeher, in unseren Kundenprojekten sehen wir typischerweise Groessen von 20-40 GB pro Milliarde Events. Das Backup ist etwas kniffliger, weil ClickHouse und PostgreSQL konsistent gesichert werden muessen — ein BACKUP TABLE in ClickHouse plus pg_dump fuer PostgreSQL, beides in ein volumes-Verzeichnis, das dann per Backup-Job auf ein separates Zielsystem geht.

Ein oft uebersehener Aspekt: Migrationen zwischen den beiden Systemen sind schwierig. Plausible kann Log-Files nicht importieren, Matomo importiert keine Plausible-Rohdaten. Wer wechselt, verliert entweder Historie oder muss die alte Instanz weiterlaufen lassen. Wir empfehlen daher, die Entscheidung nicht rein technisch, sondern anhand des Team-Bedarfs fuer die naechsten drei bis fuenf Jahre zu treffen.

Empfehlung: Wer nimmt was?

Nach mehreren Dutzend Rollouts hat sich in unseren Projekten dieses Muster herauskristallisiert:

Plausible passt, wenn ein kleines Marketing-Team oder ein Solo-Founder ein Dashboard braucht, das ohne Handbuch verstaendlich ist; wenn Entwickler das System betreiben, ohne dafuer PHP-Wartungsfenster einplanen zu wollen; wenn Consent-Banner-Freiheit ein hartes Kriterium ist; und wenn die Anforderung “Metriken, die zaehlen” tatsaechlich ausreicht.

Matomo passt, wenn ein bestehendes Marketing-Team aus Google Analytics migriert und Segmentierungen, Custom-Reports und Attribution braucht; wenn E-Commerce-Tracking mit Warenkorb-Analyse gefordert ist; wenn Heatmaps und A/B-Tests innerhalb eines Tools bleiben sollen; oder wenn die IT-Abteilung LAMP-Erfahrung mitbringt und Plugins aktiv nutzen will.

Fuer die meisten mittelstaendischen B2B-Websites, die wir betreuen, ist Plausible die entspanntere Wahl — weniger Betriebsaufwand, weniger DSGVO-Diskussionen, weniger Feature-Rauschen. Fuer B2C, E-Commerce oder marketing-getriebene Portale ist Matomo trotz seiner Komplexitaet oft die richtige Entscheidung.

DATAZONE unterstuetzt bei der Umsetzung

DATAZONE plant, installiert und betreibt beide Analytics-Plattformen — ob als Docker-Setup auf einer Linux-VM in der Proxmox-Umgebung, als vollstaendig gemanagte Loesung mit Monitoring und Backup oder als beratender Sparringspartner fuer Ihre eigene IT. Wir kennen die Fallstricke beim DSGVO-konformen Setup, die typischen Skalierungsgrenzen beider Systeme und die Migrationspfade weg von Google Analytics. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf — wir starten mit einer kurzen Ist-Analyse und liefern eine belastbare Empfehlung fuer Ihren Anwendungsfall.

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