Seit Broadcom im November 2023 VMware übernommen hat, ist die Diskussion um Hypervisor-Lizenzen im Mittelstand nicht mehr abgerissen. Fast jede zweite DATAZONE-Beratung 2026 beginnt mit derselben Frage: “Was kostet uns Proxmox wirklich, wenn wir von VMware weg wollen? Und ist Hyper-V nicht doch günstiger, weil wir Windows sowieso haben?”
Dieser Artikel liefert keine Preisliste. EUR-Beträge hängen zu stark von Konfiguration, Region, Reseller-Konditionen und Vertragsdauer ab, um sie hier ehrlich beziffern zu können. Was wir liefern: die strukturellen Unterschiede der drei Modelle, die Rechengrößen, an denen Sie den Vergleich für Ihre Umgebung selbst durchrechnen können, und die Migrations-Nebenkosten, die in fast jeder Erstrechnung vergessen werden.
Proxmox Lizenz Kosten verstehen: Community-Repo vs. Enterprise-Subscription pro Socket
Proxmox VE ist Open Source unter AGPLv3. Das bedeutet: Der Hypervisor selbst ist kostenlos, es gibt keine per-Core- oder per-VM-Lizenz. Was Sie kaufen können, ist eine Support-Subscription pro CPU-Sockel und Jahr. Diese Subscription entkoppelt zwei Dinge, die bei VMware verschmolzen sind: den Zugriff auf produktionsreife Software und den kommerziellen Support.
Das Proxmox-Angebot hat aktuell vier Stufen:
- Community-Repo (kostenlos): kein produktionsstabiles Repository im engeren Sinn, sondern das öffentliche Repo mit den aktuellsten Patches. Für Test- und Entwicklungsumgebungen üblich, im Produktivbetrieb ohne SLA nutzbar, wenn Sie Ihren eigenen Support intern stellen.
- Community-Subscription (kleinste Stufe): Zugriff auf das Enterprise-Repo mit stabileren, länger getesteten Paketen. Keine Ticket-Unterstützung.
- Basic: Enterprise-Repo plus begrenztes Ticket-Kontingent pro Jahr.
- Standard und Premium: Enterprise-Repo, höhere Ticket-Kontingente, schnellere Reaktionszeiten, telefonischer Support in der Premium-Stufe.
Alle Stufen werden pro physischer CPU pro Jahr berechnet. Ein 2-Sockel-Host kostet also das Doppelte eines 1-Sockel-Hosts, unabhängig von der Anzahl der Cores. Das ist der entscheidende Unterschied zu VMware.
Für die Größenordnung: Selbst die Premium-Stufe pro Sockel bewegt sich in einem Rahmen, der bei einem typischen 3-Node-Cluster mit je 2 Sockeln jährlich im niedrigen vierstelligen Bereich liegt. Genaue Zahlen erhalten Sie direkt bei der Proxmox Server Solutions GmbH oder von uns im Angebot. Wichtig für den Vergleich: Die Subscription skaliert nicht mit Kern-Zahl, RAM oder VM-Anzahl.
Proxmox Backup Server als separate Position
Was in Erstkalkulationen oft fehlt: Der Proxmox Backup Server (PBS) hat ein eigenes Subscription-Modell, ebenfalls pro Sockel und Jahr. Wer ernsthaft mit PBS arbeitet, sollte den Backup-Host mit einbeziehen. Details zur PBS-Einrichtung finden Sie in unserem Beitrag zur Backup-Strategie für KMU mit Proxmox und TrueNAS.
VMware VVF und VCF pro Core: was Broadcom aus dem Portfolio gemacht hat
Broadcom hat das VMware-Portfolio auf zwei Bundles reduziert: VMware vSphere Foundation (VVF) und VMware Cloud Foundation (VCF). Für den klassischen Mittelstand ist VVF die relevante Größe, VCF zielt auf Private-Cloud-Betreiber ab.
Die drei strukturellen Änderungen, die die Rechnung 2026 dominieren:
- Subscription statt Kauf: Perpetual-Lizenzen werden nicht mehr verkauft. Bestandskunden verlieren mit Ablauf des Support-Vertrags den Zugang zu Updates und Sicherheits-Patches.
- Preis pro Core, nicht pro Sockel: Jeder Kern jeder physischen CPU wird lizenziert.
- Mindestabnahme von 16 Kernen pro CPU: Auch wenn Ihre CPU nur 8 Cores hat, zahlen Sie 16. Kleine Hosts werden dadurch strukturell teurer.
Für einen 2-Sockel-Host mit 24-Core-CPUs bedeutet das: 48 Cores pro Host, mal drei Hosts sind 144 Cores, mal Anzahl Jahre. Bei kleineren 8-Core-CPUs würden pro Host trotzdem 32 Kerne fakturiert. Wer die exakten Broadcom-Listenpreise sehen will, sollte sie von einem autorisierten Broadcom-Partner einholen. Wir nennen keine Zahlen, weil Endkundenpreise und Listenpreise nicht identisch sind und Konditionen pro Kunde variieren. Hintergrund und Verhandlungserfahrungen haben wir in VMware-Lizenzkosten 2026: Was KMU jetzt wirklich zahlen und VMware unter Broadcom: Proxmox als Alternative beschrieben.
Was VVF inkludiert und was nicht
VVF enthält vSphere, vCenter, Aria Operations und die Tanzu-Kubernetes-Grundlage. Für viele KMU-Kunden ist das mehr, als sie brauchen — Aria und Tanzu bleiben ungenutzt. Wer nur den Hypervisor und vCenter will, hat keinen günstigeren Weg mehr. vSAN, NSX und der volle Aria-Stack sind erst in VCF enthalten, was der teurere Zug ist.
Hyper-V Datacenter und CAL: das “kostenlose” Modell mit Sternchen
Hyper-V ist Bestandteil von Windows Server und wird nicht separat lizenziert. Das klingt attraktiv, versteckt aber zwei Kosten-Blocks, die im Vergleich oft unter den Tisch fallen.
Windows Server Datacenter pro Core: Wer Hyper-V mit unbegrenzt vielen Windows-VMs pro Host fahren will, braucht Datacenter. Datacenter wird ebenfalls pro physischem Kern lizenziert, mit einer Mindestabnahme von 16 Cores pro Server und 8 Cores pro Sockel. Für einen 2-Sockel-Host mit 24-Core-CPUs sind das 48 Datacenter-Cores pro Host, plus die entsprechenden CALs.
Client Access Licenses (CALs): Jeder Nutzer oder jedes Gerät, das auf Windows Server zugreift, braucht eine User- oder Device-CAL. Bei 50 Mitarbeitern und einer typischen Windows-Domänen-Umgebung sind das 50 User-CALs zusätzlich, unabhängig von Hyper-V.
System Center: Wer Hyper-V in einem Cluster mit zentraler Verwaltung, Live-Migration über mehr als zwei Hosts und Monitoring betreibt, kommt an System Center Datacenter kaum vorbei. Das ist eine dritte Lizenzposition, wieder pro Core.
Die Rechnung wird “günstig”, wenn ein Betrieb Windows-Server-Datacenter-Lizenzen ohnehin für seine Anwendungs-VMs braucht. In einer Umgebung, die primär Linux-VMs fährt und wo Windows nur die AD-Rolle übernimmt, dreht sich das schnell ins Negative, weil Datacenter pro Core immer noch mit Broadcom-Preisen konkurrieren muss.
Migrations-Kosten getrennt rechnen: der ehrliche Blick
Ein Fehler, den wir in Beratungen regelmäßig sehen: Kunden vergleichen die reine Jahres-Lizenz A gegen Jahres-Lizenz B und übersehen die Umstiegskosten. Diese sind einmalig, aber nicht klein.
Von VMware zu Proxmox umfasst typischerweise: VM-Konvertierung, Neu-Aufbau der Storage-Anbindung, Umzug von vSAN auf Ceph oder externes iSCSI/NFS, Backup-Neu-Einrichtung, Firewall-Regeln migrieren, Monitoring anpassen, Team-Schulung. Realistisch sind mehrere Personenwochen pro Cluster, je nach Größe. Ein Praxisbericht mit Zeitaufwänden steht in Von VMware zu Proxmox — Umstieg in der Praxis.
Von Hyper-V zu Proxmox ist technisch ähnlich, aber die Windows-VMs benötigen VirtIO-Treiber und die AD-Integration muss neu geplant werden. Details zum praktischen Ablauf: Hyper-V zu Proxmox: Migration ohne Datenverlust.
Von VMware zu Hyper-V ist der teuerste Weg, weil Sie sowohl die Windows-Server-Lizenzen als auch die Umstiegs-Arbeit tragen. Wir sehen diesen Weg selten, wenn ausschließlich Lizenzkosten der Treiber sind.
Parallelbetrieb: Während der Migration laufen beide Umgebungen. Das kostet Strom, Rack-Platz und im Zweifel doppelte Lizenzen für einen Übergangszeitraum. Rechnen Sie diesen Zeitraum realistisch ein.
Praxisrechnung für den Mittelstand: 3-Node-Cluster als Referenz
Nehmen wir einen typischen Referenzfall: 3 Hosts, je 2 CPU-Sockel, je 24 Cores, 50 Mitarbeiter, gemischte Linux- und Windows-Workloads. Ohne konkrete EUR-Zahlen, aber mit den Rechengrößen:
| Position | Proxmox Standard | VMware VVF | Hyper-V Datacenter |
|---|---|---|---|
| Basis Hypervisor | 6 Sockel/Jahr | 144 Cores/Jahr | 144 Cores/Jahr |
| Zentrale Verwaltung | inklusive | inklusive (vCenter) | System Center 144 Cores/Jahr |
| Backup-Software | PBS 6 Sockel/Jahr | Drittanbieter oder Data Protection | Drittanbieter oder DPM |
| Nutzer-Lizenzen | keine | keine | 50 User-CALs |
| Support-Modell | pro Sockel gestaffelt | Bundle-Preis pro Core | Volume-Vertrag mit Microsoft |
| Skalierung bei mehr Cores | flach | linear | linear |
Sichtbar wird: Proxmox ist das einzige Modell, das nicht linear mit Kern-Zahlen skaliert. Wer heute 24-Core-CPUs baut und morgen auf 32-Core-CPUs upgradet, zahlt bei Proxmox denselben Betrag, bei VMware und Hyper-V ein Drittel mehr.
Reine Lizenz-Ersparnis reicht als Argument nicht
In DATAZONE-Beratungen empfehlen wir konsequent: Ziehen Sie nicht wegen der Lizenzkosten allein um. Ziehen Sie um, wenn zwei oder drei Faktoren zusammenkommen — Renewal-Schock plus Hardware-Refresh plus Team-Bereitschaft für neue Technik. Die reine Lizenz-Ersparnis wird durch Migrations-Aufwand und die Lernkurve in Jahr eins oft mehr als aufgezehrt. Ab Jahr zwei kippt die Rechnung dann deutlich zu Gunsten von Proxmox.
Wer eine Umsetzungs-Begleitung sucht: Details zu unserem Vorgehen stehen unter IT-Service Virtualisierung. Für die Storage-Seite empfehlen wir häufig TrueNAS als externes NFS- oder iSCSI-Target — den passenden Bau finden Sie im TrueNAS-Konfigurator.
FAQ
Ist Proxmox wirklich kostenlos nutzbar?
Ja, das Community-Repo ist frei nutzbar, auch produktiv. Was Sie ohne Subscription nicht bekommen: Zugriff auf das stabilere Enterprise-Repository und Ticket-Support. Für ernsthaften Produktivbetrieb empfehlen wir mindestens die Community-Subscription pro Sockel, damit Sie das getestete Enterprise-Repo bekommen.
Wie viele Cores pro CPU muss ich bei VMware mindestens lizenzieren?
Aktuell 16 Cores pro CPU. Wenn Ihre CPU weniger Kerne hat, zahlen Sie trotzdem 16. Das trifft besonders kleine Hosts mit 8-Core-CPUs hart und macht Konsolidierung auf wenige, groß bestückte Hosts wirtschaftlich attraktiver — was aber wieder Ausfall-Risiko konzentriert.
Ist Hyper-V wirklich billiger, wenn wir Windows sowieso haben?
Manchmal. Der Effekt tritt ein, wenn Sie ohnehin Windows Server Datacenter für Anwendungs-VMs kaufen würden und der Hyper-V-Betrieb praktisch als Nebenprodukt mitfällt. In Linux-lastigen Umgebungen oder bei Kunden, die primär Fileserver, Domain-Controller und ein paar Dienste fahren, kippt der Vorteil schnell.
Was kostet die Migration von VMware zu Proxmox typischerweise?
Realistisch sind pro Cluster mehrere Personenwochen, plus Parallelbetriebs-Zeit. Für einen 3-Node-Cluster mit 30 bis 50 VMs sehen wir Projektlaufzeiten von acht bis sechzehn Wochen, je nach Storage-Umbau und Team-Vorerfahrung. Das ist der Punkt, an dem die reine Lizenz-Ersparnis im ersten Jahr oft aufgeht.
Kann ich Proxmox mit meinem vorhandenen SAN weiterbetreiben?
Ja, Proxmox unterstützt iSCSI, NFS, Fibre-Channel und einige proprietäre SAN-Anbindungen. Wer aus VMware kommt und dort ein iSCSI- oder NFS-SAN hatte, kann dieses in aller Regel weiter nutzen. vSAN-Kunden müssen dagegen umbauen — entweder auf Ceph oder auf ein externes Storage-Target.
Wie oft wird das Proxmox-Lizenzmodell geändert?
Historisch sehr selten. Proxmox hat das Subscription-Modell pro Sockel seit vielen Jahren konstant gehalten. Die Stufen und Preise werden gelegentlich angepasst, aber das strukturelle Modell — Open Source plus Subscription pro CPU — hat sich nicht geändert. Das ist einer der Gründe, warum Mittelstands-Kunden die Umstiegs-Investition als kalkulierbar wahrnehmen.
Mehr zu diesen Themen:
Weitere Artikel
TrueNAS als Immutable-Backup-Target für Veeam & Proxmox (S3 Object Lock)
Unveränderliche Backups gegen Ransomware: Wie Sie TrueNAS als S3-kompatibles Immutable-Target mit Object Lock für Veeam und den Proxmox Backup Server einsetzen – on-premise, ohne Cloud-Egress.
TrueNAS-Proxmox-Plugin 25.10.6: vier Beobachtungen aus unserem Testlab, die wir an iXsystems zurückspielen
Early-Adopter heißt mitgestalten. Wir betreiben das offizielle TrueNAS-Storage-Plugin für Proxmox VE produktiv und dokumentieren hier, was wir in Version 2.1.17+deb1 auf PVE 9.2.11 und TrueNAS SCALE 25.10.6 beobachtet haben -- inklusive Workarounds für die Community und Verweis auf unsere Partner-Rückmeldung an iXsystems.
Proxmox vs. VMware vSphere 8 -- Update 2026: der Stand nach zwei Jahren Broadcom
Proxmox vs VMware 2026 -- der ehrliche Vergleich zu vSphere 8 nach zwei Jahren Broadcom. Wo Proxmox aufgeholt hat, wo vSphere weiter fuehrt. Praxis aus dem Systemhaus.